Insights for Procure-to-Pay and Finance Leaders

Der Welthandel wird einem Realitätscheck unterzogen

Christian Lanng

CEO und Mitbegründer von Tradeshift

Die Wirtschaftsexperten hatten im Sommer eine optimistische Meinung über die Geschwindigkeit, mit der die Erholung gestartet war. Viele fragen sich nun, ob die Wachstumsmotoren an Kraft verlieren.

Die Bestelltätigkeit auf unserer Plattform ist seit Anfang 2021 rasant gestiegen. Im 3. Quartal ist das Auftragsvolumen auf der Tradeshift-Plattform um 24 Punkte zurückgegangen. Dies ist der stärkste Rückgang seit dem Höhepunkt des ersten Lockdowns. Eine gewisse Korrektur schien angesichts des enormen Anstiegs der Auftragseingänge im 2. Quartal unvermeidlich. Was wir im 3. Quartal gesehen haben, deutet auf etwas Schwerwiegenderes als eine natürliche Abkühlung hin.

Unternehmensumfragen in den USA, dem Vereinigten Königreich und der Eurozone deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaftstätigkeit verlangsamt hat, da sich die Lieferzeiten verlängern, die Engpässe zunehmen und die Rohstoffpreise steigen. Angesichts der Tatsache, dass die Auftragsvolumina in allen Gebieten zurückgehen, fragen sich die Einkäufer womöglich, ob es sinnvoll ist, neue Aufträge in einem System aufzugeben, das bereits unter der Last eines enormen Rückstands leidet.

Die Fakturierungsvolumina auf unserer Plattform haben im 3. Quartal zugenommen, aber der Aufwärtstrend ist flacher als erwartet, da wir seit Anfang 2021 einen enormen Anstieg der Aufträge verzeichnen. Unsere Daten lassen vermuten, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis sich das Auftragsvolumen an die Rechnungsströme angleicht. Je länger diese Diskrepanz anhält, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Abkühlung, die wir im 3. Quartal erlebt haben, zu einer länger anhaltenden und allgemeinen Verlangsamung führen könnte. Eine solche Verlangsamung könnte die Supply Chains, die ohnehin schon einen sehr holprigen Weg hinter sich haben, erneut in Unruhe versetzen.

Unternehmen haben sich in einer Zeit beispielloser Herausforderungen bemerkenswert gut angepasst, aber die Systeme, die den Beziehungen innerhalb der Supply Chains zugrunde liegen, haben sich nur wenig verändert. Die stark manuelle und papiergestützte Abwicklung birgt in fast jeder Phase Reibungspunkte, angefangen bei den veralteten Zahlungsverfahren, die den Fluss des Betriebskapitals regeln, bis hin zu den Unmengen von Dokumenten, die für den Transport physischer Waren erforderlich sind. Einzeln betrachtet mögen diese Reibungspunkte für die Probleme, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind, unbedeutend erscheinen. In Verbindung mit der Art von Geschwindigkeit, die wir in den letzten Quartalen erlebt haben, sollten wir uns jedoch nicht wundern, wenn hier und da Brände ausbrechen.

Die Unternehmen, die die größten unmittelbaren und langfristigen Verbesserungen erzielen werden, sind diejenigen, die sich darauf konzentrieren, diese Reibungspunkte an der Quelle zu beseitigen. Eine kürzlich von McKinsey durchgeführte Studie hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Führungskräfte ihre Investitionen in Technologie bereits beschleunigt haben, während 75 Prozent der Befragten erwarten, dass sie ihre Investitionen in den nächsten drei Jahren erhöhen werden. Die Suche nach Möglichkeiten, KI bzw. maschinelles Lernen, Daten und mehr zu nutzen, um ihre Supply Chain-Prozesse und -Teams zu stärken, wird sich auf lange Sicht auszahlen.

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