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Working Capital berechnen: Eine Kurzanleitung für die Kreditorenbuchhaltung

In Krisenzeiten ist Bargeld wichtiger denn je. Kein Wunder, dass sich jedes Unternehmen derzeit genau auf die Berechnung seines erforderlichen Betriebskapitals konzentriert.

Und die Kreditorenbuchhaltung ist dabei von zentraler Bedeutung. Deren Arbeit hat direkten Einfluss auf die Bilanz und die finanzielle Gesamtstrategie des Unternehmens. 

Dennoch hören wir oft, dass Kreditorenbuchhaltungsteams das Gefühl haben, wenig Einfluss auf die strategische Optimierung des Betriebskapitals nehmen zu können. Stattdessen besteht ihre Aufgabe darin, einfach die von oben übermittelten Anweisungen zu befolgen. Wenn Verkäufer dann nicht pünktlich bezahlt werden sind sie es, die das Chaos beseitigen müssen.

Das ist definitiv eine verpasste Chance! Die Kreditorenbuchhaltung kann dem Management wichtige Informationen zum Gesamtwert der ausstehenden Rechnungen liefern und hilft somit, den Cashflow der ausgehenden Zahlungen zu kontrollieren. Und sie kann mit Lieferanten zusammenarbeiten, um Probleme mit verpassten Zahlungsterminen oder Fristverlängerungen zu beheben. 

Es ist an der Zeit, dass die Kreditorenbuchhaltung eine wichtigere Rolle bei der Bestimmung der Betriebskapitalstrategie von Unternehmen bekommt. Als kleine Hilfestellung erläutern wir nachfolgend, was Betriebskapital genau ist und wie es berechnet wird.

Wie man das erforderliche Betriebskapital berechnet

Das Betriebskapital, auch als Netto-Umlaufvermögen oder Working Capital bezeichnet, ist ein Maß dafür, wie effektiv ein Unternehmen seinen kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Dafür wird die Differenz zwischen den kurzfristigen liquiden Mitteln eines Unternehmens und seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten ermittelt. 

Erforderliches Betriebskapital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Zum Umlaufvermögen zählen: 

  • Eigentum
  • Bargeld auf dem Konto
  • Inventar
  • Forderungen 

Verbindlichkeiten beziehen sich normalerweise auf Folgendes:

  • Gehaltsverpflichtungen 
  • Lieferantenverbindlichkeiten
  • Mietverträge
  • Steuern 

Obwohl die Working Capital-Kennzahlen täglich schwanken, bewerten die meisten Unternehmen diese Zahl auf einer kontinuierlichen Basis von sechs oder zwölf Monaten. 

Positives Betriebskapital 

Das Working Capital ist ein wichtige Kennzahl für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Und im Allgemeinen wollen CFO, CEO und die Investoren das Unternehmen mit einem positiven Betriebskapital betreiben, was bedeutet, dass das Vermögen höher ist als die Verbindlichkeiten. 

Auf diese Weise kann ein Unternehmen seine Vermögenswerte schnell in Bargeld umwandeln, um sowohl seinen kurzfristigen Bedarf als auch unerwartete Kosten zu decken.

Aber ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Unternehmen mit einer sehr hohen Betriebskapitalquote können trotzdem operative Probleme haben. So sitzen sie möglicherweise auf viel Inventar, das nicht ohne weiteres veräußert werden kann. Oder vielleicht horten sie Bargeld, anstatt es in Geschäftswachstum oder Forschung und Entwicklung zu investieren. Das ist vielen Unternehmen nach der Finanzkrise 2008/9 passiert.

Negatives Betriebskapital 

Wenn ein Unternehmen über ein negatives Betriebskapital aufweist, bedeutet dies normalerweise, dass es kurzfristige Finanzierungen braucht, um Lücken zu schließen und Rechnungen bezahlen zu können. Für große Unternehmen mit einfachem Zugang zu mehreren Kreditarten ist das nicht unbedingt ein Problem. Aber für KMUs, die oft Zuschläge für den Zugang zu kurzfristiger Betriebsmittelfinanzierung zahlen müssen, kann dies der Anfang vom Ende sein. 

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Apple zum Beispiel ist wohl das finanziell solideste Unternehmen der Welt, operiert jedoch mit negativem Betriebskapital. Aber das liegt daran, dass Apple in einer starken Verhandlungsposition mit seinen Lieferanten steht, bei Bedarf schnell Bargeld oder Vorauszahlungen von Kunden einholen kann und über eine solide Bestandsverwaltung verfügt.

Erforderliches Betriebskapital für verschiedene Branchen  

Um die Sache noch weiter zu verkomplizieren, unterscheiden sich die idealen Working Capital-Kennzahlen oft von Branche zu Branche und werden vom jeweiligen Betriebszyklus bestimmt. So benötigt der Einzelhandel beispielsweise eher mehr Betriebskapital, da hier viel eingekauft wird. Gleichzeitig gibt es keine Garantie, dass die beschafften Waren auch verkauft werden können, um damit die entsprechenden Rechnungen zu begleichen. 

Technologieunternehmen hingegen benötigen viel weniger Betriebskapital, insbesondere wenn sie hauptsächlich Softwaredienstleistungen bereitstellen. Daher kann eine sehr hohe Betriebskapitalquote in einem Technologieunternehmen darauf hinweisen, dass es nicht genügend Geld in Forschung und Entwicklung investiert. 

Optimieren Sie jetzt Ihr Betriebskapital

Die Berechnung der Betriebskapitalquote liefert nützliche Erkenntnisse über die Gesundheit Ihres Unternehmens. Sie zeigt an, ob genügend finanzielle Mittel für die Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten vorhanden sind. Aber wie wir gesehen haben, müssen dabei viele Nuancen berücksichtigt werden.

Dennoch sollte sich jedes Unternehmen auf diese Kennwerte fokussieren. Und die Kreditorenbuchhaltung spielt bei der Optimierung des Betriebskapitals eine große Rolle. 

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